Vorbereitung
Die Meldung für den Triathlon musste schon 2024 erfolgen, da danach die Gebühren immer weiter steigen. Nach der verpassten Mitteldistanz 2024 wuchsen die Träume in den Himmel und ich meldete mich zur Langdistanz an. So viele Jahre habe ich ja nicht mehr…
Das Training für alle Disziplinen ist sehr herausfordernd, vor allem in der Planung. An das Laufen habe ich mich lange nicht herangetraut. Ich hatte Angst vor Verletzungen. Mit Mut zur Lücke sagte ich mir, die Hälfte trainieren und den Rest macht der Kopf. Also steigerte ich die Laufeinheiten bis auf 20 km (2x) und Schwimmen auf rund einen Kilometer (1x).
Unser Urlaub in Kroatien war nicht das reine Trainingslager. Auf der Fahrt durch Slowenien bin ich noch Rad gefahren, die restlichen zwei Wochen dann allerdings nicht mehr. Ab und an bin ich früh noch gelaufen. Mehr als 5 km aber nicht.
Die direkte Vorbereitung wurde dann durch einen Leistenbruch sechs Wochen vor dem Start erschwert. Es dauerte drei Wochen, bis mir ein Arzt das OK für den Triathlon ohne Operation gab. Ich fand mich auf einem guten Weg und wenn der Wettkampf 2 Monate später gewesen wäre, hätte ich sicher ein gutes Gefühl gehabt. Der Start war nun aber bezahlt und es musste losgehen. Die Pacing-Planung war bei meinem Leistungsniveau einfach. Ich hatte 14 Stunden bis zum Zielschluss. Also die geniale „Planung“ ergab Schwimmen 2 h, Radfahren 6 h und Laufen auch 6 h.
Race Day
Die Anreise erfolgte einen Tag vor dem Wettkampf. Das Wetter war regnerisch. Ich nutzte die Gelegenheit zur Abholung der Startunterlagen und der Besichtigung des Wettkampfortes. Dann ging es zur Pension. Der Start war für 7:00 angesetzt. Als Rookie wollte ich mir Zeit nehmen und stand 4:30 auf, mischte meine Kohlenhydrate, aß Milchreis und trank einen Kaffee. Dann fuhr ich mit dem Rad und einem großen Rucksack ohne Beleuchtung zum Start.
Der Neoprenanzug machte die üblichen Schwierigkeiten, aber ich hatte ja Zeit. Irgendwann ging es aber auf 7:00 Uhr zu und ich stand am Strand. Es war windstill und der See war wie ein Spiegel.
Nach dem Start schlenderte ich ins Wasser, um niemanden mit Ambitionen zu stören. Die Schwimmstrecke bestand aus zwei Runden mit zwischenzeitlichem Landgang. Ich versuchte mich beim Schwimmen an der Landschaft und dem Sonnenstand zu orientieren. Das gelang mir nur bedingt. Es wurde ein echter Zick-Zack-Kurs. Beim Landgang checkte ich die Zeit und sah mich im Zeitlimit. Nach 1:42:07 nahm ich meine Zeit und ging in den Wechselbereich. Mit dieser hervorragenden Zeit hatte ich ja keine Eile.

Nun also 180 km Radfahren. Für die geplante Zeit von 6 Stunden war eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h notwendig. Die Strecke war flach und ich guter Dinge. Der Einteiler trocknete sehr schnell und die Temperatur war angenehm. Die genaue Temperatur über den Tag weiß ich nicht mehr. Ein Faktor war sie aber in meinen Augen nicht. Die Strecke bestand aus 8 Runden a 22,5 km. Eine Runde war allerdings die gleiche Strecke hin und zurück. Irgendwann kannte man also die Strecke. Der Beginn war sehr gut und die Durchschnittsgeschwindigkeit auf den ersten zwei Runden kein Problem. Ich hatte mir einen Timer gestellt um alle 30 Minuten an das Trinken erinnert zu werden. Es gab einen Verpflegungsstand, an dem auch eigene Flaschen deponiert werden konnten. Ich hatte zwei Flaschen mit jeweils einem Liter Inhalt am Rad und zwei am Stand. Der Austausch sollte bei Halbzeit erfolgen. Mit der Zeit kannte man schon die anderen Teilnehmer und ich schaffte es sogar, eine Frau zu überholen. Gegen Mittag wurde es dann voll auf der Strecke. Um 12:00 starteten die Mitteldistanzler und kamen dann frisch auf die Strecke. Damit ging der schwer erarbeitete Überblick natürlich verloren.
Meine Trainingsfahrten mit dem Rad gingen bekanntlich hauptsächlich durch das Erzgebirge. Da hat man auf den Strecken eine gewisse Abwechslung. Es geht schon immer mal bergauf und ist anstrengend. Dafür hat man dann bergab eine gewisse Erholung. Beim Triathlon ist die Strecke weitestgehend eben. Das bedeutet pausenlose Belastung und keine Ruhephasen. Im Hinterkopf hatte ich immer das Zeitlimit. Ob sich dann auch noch der Wind verstärkt hat oder auch das Gefühl meiner Erschöpfung geschuldet war, kann ich nicht sagen. Dann begannen die Krämpfe. Krämpfe hatte ich schon öfter. Ich wusste dass diese auch vorbeigehen können. Auf dem Rückweg der sechsten Rund musste ich dann allerdings vom Rad. Ich versuchte mich zu dehnen, was allerdings nur Krämpfe an anderen Stellen zur Folge hatte. Nach zehn Minuten Pause versuchte ich nochmals in Schwung zu kommen, aber die Zeit lief mir davon.

Vielleicht hätte ich im Bummeltempo die restlichen 40 km noch geschafft, aber das Zeitlimit hätte ich dann nicht mehr erreichen können. Es begann sich in mir die Erkenntnis durchzusetzen, dass, um beim Marathon zu scheitern, man erst einmal das Radfahren schaffen muss. Ich fuhr also die Runde zu Ende und gab dann auf…
Trotzdem war ich der Meinung, mir noch ein schönes Abendessen verdient zu haben.
